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IV. Von ISCHTARs Schlaf

  1. Doch ISCHTAR,
    Königin des Himmels,
    Helles Licht der Nacht,
    Gebieterin der Götter,
    Richtete ihren Geist in jene Richtung,
    Von oben richtete sie ihren Geist
    Nach unten;
    Von den Himmeln brach sie auf
    Zum Abyssos;
    Aus den Toren der Lebenden heraus
    Einzutreten in die Tore des Todes;
    Aus den Ländern, die wir kennen,
    In die Länder, die wir nicht kennen,
    In das Land ohne Wiederkehr,
    In das Land der Königin ERESCHKIGAL.
    ISCHTAR, die Königin des Himmels, sie richtete ihren Geist,
    ISCHTAR, die Tochter des SIN, sie brach auf
    Zur Schwarzen Erde, dem Lande von TSCHUTHA
    Brach sie auf,
    Zum Hause ohne Wiederkehr setzte sie ihren Fuß
    Auf die Straße, von der keiner wiederkehrt.
    Sie setzte ihren Fuß
    In die Höhle, die immer unbeleuchtete,
    Wo Näpfe mit Lehm auf den Altar gehoben werden,
    Wo Näpfe mit Staub die Nahrung sind
    Der mit Flügeln bekleideten Bewohner.
    Nach ABSU brach ISCHTAR auf,
    Wo der schreckliche TSCHUTHALU schläft,
    Dorthin brach ISCHTAR auf.
  2. Der Wächter
    Stand unbeweglich.
    Der Wächter
    NINNGHIZHIDDA
    Stand unbeweglich.
    Und ISCHTAR sprach zu ihm.
  3. NINNGHIZHIDDA! Schlange der Tiefe!
    NINNGHIZHIDDA! Gehörnte Schlange der Tiefe!
    NINNGHIZHIDDA! Gefiederte Schlange der Tiefe!
    Öffne!
    Öffne das Tor, daß ich eintreten kann!
    NINNGHIZHIDDA, Geist der Tiefe, Wächter des Tores, erinnere Dich!
    Im Namen unseres Vaters vor der Flucht, ENKIs, Herr und Meister der Magier,
    Öffne das Tor, daß ich eintreten kann!
    Öffne,
    Damit ich nicht die Tür angreife,
    Damit ich nicht die Riegel entzweibreche,
    Damit ich nicht die Schranke angreife,
    Damit ich nicht die Mauern mit Gewalt nehme,
    Öffne das Tor,
    Öffne das Tor weit,
    Damit ich nicht die Toten veranlasse, sich zu erheben!
    Ich werde die Toten erwecken.
    Ich werde die Toten veranlassen, sich zu erheben und die Lebenden zu verschlingen!
    Öffne das Tor,
    Damit ich die Toten nicht dazu bringe, die Zahl der Leben-den zu übertreffen!
    NINNGHIZHIDDA, Geist der Tiefe, Wächter des Tores, öffne!
  4. NINNGHIZHIDDA,
    Die Große Schlange,
    Rollte sich zusammen
    Und antwortete
    ISCHTAR:

    Herrin,

    Königin unter den Göttern,
    Ich gehe zu meiner Gebieterin,
    Zu ERESCHKIGAL,
    Zur Königin des Todes,
    Und kündige Dich an.
  5. Und NINNGHIZHIDDA,
    Die Gehörnte Schlange,
    Näherte sich der Herrin ERESCHKIGAL
    Und sagte:

    Siehe, ISCHTAR, Deine Schwester,

    Königin unter den Göttern,
    Steht vor der Tür!
    Die Tochter SINs, Gebieterin ENKIs,
    Sie wartet.

    Und bleich war ERESCHKIGAL vor Furcht.

    Die Dunklen Wasser regten sich.

  6. Geh, Wächter des Tores,
    Geh, NINNGHIZHIDDA, Wächter des Tores,
    Öffne ISCHTAR das Tor,
    Und behandele sie so,
    Wie es geschrieben steht im Alten Vertrag.
  7. Und NINNGHIZHIDDA löste den Riegel der Tür.
    Und Dunkelheit fiel auf ISCHTAR.
    Die Dunklen Wasser erhoben sich und trugen die Göttin des Lichtes
    Nach den Bereichen der Nacht,
    Und die Schlange sprach:

    Tritt ein,

    Himmelskönigin vom Großen Wohnort,
    Daß KUR sich erfreue,
    Daß TSCHUTHA danksage,
    Daß KUTU lächle,
    Tritt ein,
    Daß KU'TULU von deiner Gegenwart erfreut sei.
  8. Und ISCHTAR trat ein.
    Und es gibt Sieben Tore und Sieben Erlasse.

    Am Ersten Tor

        NINNGHIZHIDDA nahm die Krone hinweg,
        Die Große Krone von Ihrem Kopf nahm er sie.
        Und ISCHTAR fragte:
        Warum, Schlange, hast du mein Erstes Juwel genommen?
        Und die Schlange antwortete:
        Dieswegen ist es, der Alte Vertrag legte vor der Zeit
        Die Regeln der Herrin von KUTU fest.
        Tritt ein in das Erste Tor.

    Am Zweiten Tor

         NINNGHIZHIDDA nahm den Stab hinweg,
         Den Stab aus Lapis Lazuh nahm er.
         Und ISCHTAR fragte:
         Warum, NETI, hast du mein Zweites Juwel genommen?
         Und NETI antwortete:
         Dieswegen ist es, der Alte Vertrag legte vor der Zeit
         Die Erlasse der Herrin von KUTU fest.
         Tritt ein in das Zweite Tor.

    Am Dritten Tor

         NINNGHIZHIDDA nahm die Juwelen hinweg,
         Die Juwelen um ihren Hals nahm er.
         Und ISCHTAR fragte:
         Warum, Torhüter, hast du mein Drittes Juwel genommen?
         Und der Torhüter antwortete:
         Dieswegen ist es, der Alte Vertrag legte vor der Zeit
         Die Erlasse der Herrin von KUTU fest.
         Tritt ein in das Dritte Tor.

    Am Vierten Tor

         NINNGHIZHIDDA nahm die Juwelen hinweg,
         Die Juwelen auf ihren Brüsten nahm er.
         Und ISCHTAR fragte:
         Warum, Wächter des Draußen, hast du mein Viertes Juwel genommen?
         Und der Wächter antwortete:
         Dieswegen ist es, der Alte Vertrag legte vor der Zeit
         Die Regeln der Herrin von KUTU fest.
         Tritt ein in das Vierte Tor.

    Am Fünften Tor

         NINNGHIZHIDDA nahm die Juwelen hinweg
         Den Juwelengürtel um ihre Hüften nahm er.
         Und ISCHTAR fragte:
         Warum, Wächter des Verbotenen Einganges hast du mein Fünftes Juwel genommen?
         Und der Wächter antwortete:
         Dieswegen ist es, der Alte Vertrag legte vor der Zeit
         Die Regeln der Herrin von KUTU fest.
         Tritt ein in das Fünfte Tor.

    Am Sechsten Tor

         NINNGHIZHIDDA nahm die Juwelen hinweg,
         Die Juwelen um ihre Handgelenke nahm er,
         Die Juwelen um ihre Fußknöchel nahm er.
         Und ISCHTAR fragte:
         Warum, NINNKIGAL, hast du mein Sechstes Juwel genommen?
         Und NINNKIGAL antwortete:
         Dieswegen ist es, der Alte Vertrag legte vor der Zeit
         Die Erlasse der Herrin von KUTU fest.
         Tritt ein in das Sechste Tor

    Am Siebenten Tor

         NINNGHIZHIDDA nahm die Juwelen hinweg,
         Die Juwelenbesetzte Robe ISCHTARs nahm er.
         ISCHTAR, ohne Schutz, ohne Sicherheit,
         ISCHTAR, ohne Amulett, ohne Talisman, fragte:
         Warum, Bote der Alten, hast du mein Siebentes Juwel genommen?
         Und der Bote der Alten antwortete:
         Dieswegen ist es, der Alte Vertrag legte vor der Zeit
         Die Regeln der Herrin von KUTU fest.
         Tritt ein in das Siebente Tor, und sieh die Unterwelt.
  9. ISCHTAR ist niedergestiegen in das Land KUR,
    Zu den Tiefen TSCHUTHAs ist sie gegangen.
    Sie hat ihre Sieben Talismane der Oberen Welt verloren.
    Sie hat ihre Sieben Kräfte des Landes der Lebenden verloren.
    Ohne Speise des Lebens, ohne Wasser des Lebens,
    Erschien sie vor ERESCHKIGAL, der Gebieterin des Todes.
  10. ERESCHKIGAL schrie auf bei Ihrer Gegenwart.
    ISCHTAR erhob ihren Arm.
    ERESCHKIGAL rief NAMMTAR herbei,
    Den Magier NAMMTAR;
    Sie sagte diese Worte und sprach zu ihm:

    Geh, kerkert sie ein!

    In Dunkelheit binde sie!
    Kette sie im Meer unter den Meeren!
    Lasse die Sieben ANNUNNAKI gegen sie frei!
    Lasse die Sechzig Dämonen gegen sie frei!
    Gegen ihre Augen: die Dämonen der Augen!
    Gegen ihre Flanken: die Dämonen der Flanken!
    Gegen ihr Herz: die Dämonen des Herzens!
    Gegen ihre Füße: die Dämonen der Füße!
    Gegen ihren Kopf: die Dämonen des Kopfes!
    Gegen ihren ganzen Körper: die Dämonen von KUR!

    Und die Dämonen rissen an ihr von allen Seiten.

    Und die ANNUNNAKI, Schreckliche Richter,

    Sieben Herren der Unterwelt,
    Versammelten sich um sie,
    Gesichtslose Götter ABSUs;
    Sie starrten,
    Fixierten sie mit dem Auge des Todes,
    Mit dem Blick des Todes
    Töteten sie sie
    Und hängten sie wie einen Leichnam an einen Pfosten.
    Die Sechzig Dämonen zogen die Glieder von ihren Seiten.
    Die Augen aus ihrem Kopf,
    Die Ohren von ihrem Kopf.
  11. ERESCHKIGAL jauchzte.
    Der blinde AZAG-THOTH jauchzte.
    IAK SAKKAK jauchzte.
    ISCHNIGGARAB jauchzte.
    KUTULU jauchzte.
    Die MASKIM priesen die Königin des Todes.
    Die GIGIM priesen ERESCHKIGAL, die Königin des Todes.
  12. Und die Älteren wurden von Furcht zerrissen.
    Unser Vater ENKI,
    Herr der Magie,
    Erhielt Nachricht von NINSCHUBUR,
    Von ISCHTARs Diener NINSCHUBUR.
    Er hörte von ISCHTARs Schlaf
    Im Hause des Todes;
    Er hörte, wie GANZIR
    Geöffnet worden war,
    Wie das Gesicht des Abyssos
    Weit seinen Mund aufriß
    Und die Königin des Himmels verschluckte,
    Die Königin des Sonnenaufgangs.
  13. Und ENKI rief Lehm herbei,
    Und ENKI rief Wind herbei.
    Und aus Lehm und Wind
    Formte ENKI zwei Elementargeister.
    Er formte den KURGARRU, Geist der Erde.
    Er formte den KALATURRU, Geist der Wasser.
    Dem KURGARRU gab er die Speise des Lebens.
    Dem KALATURRU gab er das Wasser des Lebens.
    Und laut sprach er zu diesen Bildern:

    Erhebe dich, KURGARRU, Geist der Erde,

    Erhebe dich, KALATURRU, Geist der Wasser,
    Erhebt euch, und geht zum Tore GANZIR,
    Zum Tor der Unterwelt,
    Zum Land ohne Wiederkehr
    Richtet eure Augen.
    Die Sieben Tore werden sich für euch öffnen,
    Kein Zauber soll euch fernhalten,
    Denn meine Zahl ist auf euch.
    Nehmt den Korb mit der Speise des Lebens,
    Nehmt den Korb mit dem Wasser des Lebens.
    Und ERESCHKIGAL soll euch nichts anhaben,
    ERESCHKIGAL soll ihren Arm nicht gegen euch erheben,
    ERESCHKIGAL soll keine Macht über euch haben.
    Findet den Leichnam INANNAs,
    Findet den Leichnam ISCHTARs, unserer Königin.
    Und verstreut die Speise des Lebens, Sechzig Mal.
    Und versprengt das Wasser des Lebens, Sechzig Mal.
    Sechzig Mal verstreut und versprengt die Speise und das Wasser des Lebens
    Auf ihrem Körper.
  14. Und wahrlich
    ISCHTAR wird auferstehen.

    Mit riesigen Flügeln

    Und Schuppen wie Schlangen
    Flogen die beiden Elementargeister zu dem Tor,
    Unsichtbar:
    NINNGHIZHIDDA sah sie nicht,
    Unsichtbar
    Passierten sie die Sieben Wächter,
    Eilig traten sie ein in den Palast des Todes
    Und sahen schrecklichen Anblick.
  15. Des Abyssos' Dämonen lagen dort,
    Tot, jedoch träumend, hingen sie an den Mauern
    Vom Hause des Todes,
    Ohne Gesicht und schrecklich
    Starrten die ANNUNNAKI,
    Blind und irr bäumte AZAG-TROTH sich auf,
    Das Auge auf dem Thron öffnete sich,
    Die Dunklen Wasser bewegten sich,
    Die Lapis-Lazuli-Tore glitzerten
    In der Dunkelheit.
    Ungesehene Monstren,
    In die Welt gesetzt in der Dämmerung der Zeiten,
    In die Welt gesetzt während der Schlacht zwischen MARDUK und TIAMAT,
    In die Welt gesetzt von HUBUR,
    Mit HUBURs Zeichen,
    Geführt von KINGU...
  16. Eilig flohen sie
    Durch den Palast des Todes,
    Hielten nur am Leichnam der ISCHTAR an.
    Die Schöne Königin,
    Gebieterin der Götter,
    Herrin der Huren von UR,
    Helleuchtende an den Himmeln,
    Geliebte des ENKI,
    Hing, blutete
    Aus tausend Wunden.
  17. Und FRESCHKIGAL
    Fühlte ihre Anwesenheit,
    Schrie auf.
  18. KURGARRU
    Mit Feuer bewaffnet
    Blickte auf die Königin der Leichname
    Mit dem Strahl des Feuers.
  19. KALATURRU
    Mit der Flamme bewaffnet
    Blickte auf die Königin der Gräber
    Mit dem Strahl der Flamme.
  20. Und ERESCHKIGAL,
    Mächtig in TSCHUTHA,
    Wendete ihr Gesicht.
  21. Auf INANNAs Leichnam
    Sprengten sie Sechzig Mal
    Das Wasser des Lebens von ENKI.
    Auf INANNAs Leichnam
    Streuten sie Sechzig Mal
    Die Speise des Lebens von ENKI.
    Auf den Leichnam,
    Der vom Pfosten hing,
    Richteten sie den Geist des Lebens.
    INANNA erhob sich.
    Die Dunklen Wasser zitterten und brodelten.
    AZAG-THOTH schrie auf seinem Thron,
    TSCHUTHALU taumelte aus seinem Schlaf.
    ISCHNIGGARAB floh aus dem Palast des Todes,
    IAK SAKKAK zitterte vor Furcht und Haß.
    Die ANNUNNAKI flohen von ihrem Thron,
    Das Auge auf dem Thron ergriff die Flucht,
    ERESCHKIGAL brüllte und rief NAMMTAR herbei,
    Den Magier NAMMTAR rief sie
    Doch nicht wegen einer Verfolgung,
    Hingegen um Schutz rief sie ihn herbei.
  22. INANNA stieg aus der Unterwelt empor.
    Mit den geflügelten Elementargeistern floh sie die Tore,
    Von GANZIR und NETI floh sie.
    Und wahrlich
    Die Toten flohen ihr voran.
  23. Als sie durch das Erste Tor flohen,
    Nahm ISCHTAR ihre Juwelenbesetzte Robe zurück.

    Als sie durch das Zweite Tor flohen,

    Nahm ISCHTAR ihre Juwelenarmreifen zurück.

    Als sie durch das Dritte Tor flohen,

    Nahm ISCHTAR ihren Juwelengürtel zurück.

    Als sie durch das Vierte Tor flohen,

    Nahm ISCHTAR ihren Juwelenschmuck zurück.

    Als sie durch das Fünfte Tor flohen,

    Nahm ISCHTAR ihr Juwelenhalsband zurück.

    Als sie durch das Sechste Tor flohen,

    Nahm ISCHTAR ihren Lapisstab zurück.

    Als sie durch das Siebente Tor flohen,

    Nahm ISCHTAR ihre Juwelenkrone zurück.
  24. Und die Dämonen erhoben sich,
    Und die Geister der Toten
    Und gingen mit ihr durch die Tore,
    Schauten weder nach rechts noch nach links,
    Gingen davor und dahinter,
    Gingen mit ISCHTAR durch das Tor GANZIR,
    Aus der Unterwelt heraus begleiteten sie sie.
    Und ERESCHKIGAL,
    Die geschmähte Königin des Abyssos, wo rinnen alle ertränkt werden,
    Sprach einen Fluch aus
    Feierlich und mächtig
    Gegen die Königin des Sonnenaufgangs,
    Und NAMMTAR gab ihm Form.
  25. Wenn ISCHTARs Liebhaber,
    Der Geliebte der Himmelskönigin,
    Vor mir niedersteigt,
    Durch das Tor GANZIR geht
    Zum Hause des Todes,
    Wenn mit ihm die jammernden Leute kommen,
    Die weinenden Frauen und die klagenden Männer,
    Wenn DUMUZI getötet und begraben ist,
    Mögen die Toten sich erheben und den Weihrauch riechen!